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Wenn man den Begriff Elektrosmog bei Google als Suchbegriff eingibt, so findet die Suchmaschine 1,74 Millionen Treffer. Zum Vergleich: Wenn man den Begriff ?Arbeitsschutzgesetz? googelt, so stößt man auf 1/3 so viele Treffer, genau 672.000. das Thema ist also aktuell relevant. Doch wie ist der aktuelle Stand? Gibt es Elektrosmog wirklich oder ist das ein Mythos?


Der Begriff ?Elektrosmog? wird umgangssprachlich für alle elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Felder verwendet, die als potenziell schädlich gelten.

Elektrische und magnetische Felder gibt es auch in der Natur, wie Gewitterwolken, Blitze und das statische Erdmagnetfeld. Unter Elektrosmog verstehen wir jedoch nur künstlich erzeugte elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder.

Als Überbegriff für verschiedene Feldarten ist Elektrosmog jedoch nicht unproblematisch, da Felder sich erheblich in ihren physikalischen Eigenschaften, ihrer Ausdehnung und ihren Auswirkungen auf den menschlichen Körper unterscheiden.

Elektrische Felder werden immer dann erzeugt, wenn ein elektrisches Gerät oder eine Leitung an das Stromnetz angeschlossen wird, unabhängig davon, ob das Gerät ein- oder ausgeschaltet ist. Je höher die Spannung, desto höher die Feldstärke. Elektrische Felder werden stark von ihrer Umgebung beeinflusst, da jedes leitfähige Material die Feldstärke im Weltraum verändert. Diese Felder lassen sich daher leicht abschirmen: Selbst starke Hauswände können die elektrische Feldstärke um bis zu 90 % reduzieren.

Wenn Strom fließt, gibt es immer ein Magnetfeld. Je mehr Strom, desto stärker das Magnetfeld. Daher wird ein Gerät mit hoher Leistungsaufnahme immer ein stärkeres Feld erzeugen. Im Gegensatz zu elektrischen Feldern können magnetische Felder praktisch alle Materialien nahezu ungehindert durchdringen und sind nur mit großem Aufwand und teuren Spezialmaterialien abzuschirmen.

Elektrische Felder und magnetische Felder haben eines gemeinsam: Sie treten nur in der Nähe einer Quelle und in der Nähe ihrer Quelle auf. Die Intensität nimmt mit der Entfernung schnell ab

Diejenigen Felder, die sich nicht ändern, werden statische Felder oder konstante Felder genannt. Bei Wechselfeldern wird zwischen ?niederfrequenten? und ?hochfrequenten? Feldern unterschieden:

Das Niederfrequenzfeld vibriert bis zu 9.000 Mal pro Sekunde (9.000 Hertz oder 9 Kilohertz). Übliche Quellen sind dies Hochspannungsleitungen, Transformatoren, Erdkabel und Oberleitungen sowie Haushaltsgeräte und Haushaltsstromversorgungen.

Hochfrequente Felder hingegen haben Frequenzen zwischen 9 Kilohertz und 300 Gigahertz. Quellen hochfrequenter Felder sind Funksender, Funksender, Mobiltelefone, medizinische Geräte, Mikrowellenherde, schnurlose Telefone (DECT), aber auch funkgesteuerte Diebstahlsicherungen.

Viele Funktechnologien verwenden Frequenzen im Bereich von 100 bis 3.000 Megahertz.

Hochfrequenzfelder werden zur Datenübertragung per Funk, z.B. in Radios oder mobilen Geräten , um einen Anruf zu tätigen oder online zu gehen, verwendet. Die Stärke des Funkfeldes nimmt mit zunehmender Entfernung vom Sender/Quelle schnell ab.


Kann ELEKTROSMOG krank machen?

Hochfrequente Felder und niederfrequente Felder haben unterschiedliche physikalische Eigenschaften und wirken daher unterschiedlich auf den menschlichen Körper. Gut erforschte und wissenschaftlich belegte Wirkungen wie:

Niederfrequente elektrische und magnetische Felder beeinflussen die Körperströme und wirkt auf Sinnes-, Nerven- und Muskelzellen. Dies sind stimulierende Wirkungen. Wird der Schwellenwert überschritten, kann es zu körperlichen Funktionsstörungen kommen.

Hochfrequente elektromagnetische Felder können mehrere Zentimeter in den menschlichen Körper eindringen. Dort werden sie absorbiert und in Wärme umgewandelt. Ab einer bestimmten Strahlungsintensität wird Körpergewebe durch die Erwärmung geschädigt. Dies sind die sogenannten thermischen Effekte.

Aus diesen Erkenntnissen wurden Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit abgeleitet. Studien konnten bisher keine Hinweise darauf liefern, dass bei Einhaltung der Grenzwerte die Gesundheit geschadet wird. Ob schwache elektromagnetische Felder gesundheitsschädlich sind, wird in der Wissenschaft jedoch noch kontrovers diskutiert.

Elektrosmog wird mit Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, neurodegenerativen Erkrankungen und manchmal sogar mit der Entstehung von Krebs in Verbindung gebracht. Wissenschaftlich belegt sind diese Wirkungen bisher nicht. Insoweit ist aus wissenschaftlicher Sicht zum jetzigen Zeitpunkt der Begriff ?Mythos? möglicherweise richtig. Doch gleichzeitig leiden manche Menschen unter Elektrosmog. Weitere Forschung ist notwendig, z.B. Langzeitwirkungen bei Kindern. Daher sollten elektromagnetische Felder aus Vorsichtsgründen immer so gering wie möglich gehalten werden. Allerdings auch hoch- und niederfrequente Felder, wie sie beispielsweise von einer Diebstahlsicherung stammen

Selbst bei der Einhaltung der gesetzlicher Grenzwerte kann die Leistung von Herzschrittmachern und anderen medizinischen Implantaten beeinträchtigt werden.


Rechtlicher Schutz und Erwägungen

Zum Schutz der Bevölkerung vor gesundheitsschädlichen Wirkungen legt die Elektromagnetische-Felder-Verordnung (Durchführungsverordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz Nr. 26 ? 26. BImSchV) Grenzwerte und Vorsorgeanforderungen fest. Diese Verordnung gilt u.a. für ortsfeste Funkübertragungssysteme (z. B. Mobilfunk) und Energieversorgungssysteme wie Hochspannungsfreileitungen und Eisenbahnnetze. Grenzwerte schützen die Bevölkerung vor wissenschaftlich nachgewiesenen gesundheitlichen Auswirkungen.

Sie entsprechen den Empfehlungen der Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierenden Strahlen, der Weltgesundheitsorganisation sowie der deutschen Strahlenschutzkommission und wurden unter Berücksichtigung von Sicherheitsfaktoren festgelegt.

Da der Einfluss von hochfrequenten Feldern und niederfrequenten Feldern unterschiedlich ist, ergeben sich je nach Frequenzbereich unterschiedliche Grenzwerte.

Die Grenzwerte sind höher als die von vielen Umweltministerien der Länder geforderten Vorsorgewerte. Wissenschaftlich umstrittene Wirkungen wurden bei der Festlegung der Grenzwerte nicht berücksichtigt. Aus Vorsorgegründen sollten die Feldstärken auf Niederfrequenz- und Gleichstromnetzen so gering wie möglich zu halten (?Minimierungsgebot?). Grund dafür sind Forschungsergebnisse zu 50-Hz-Magnetfeldern und Krebs. Darüber hinaus dürfen in Gebäuden für dauerhaften Aufenthalt keine neuen Hochspannungsleitungen über den Gebäuden errichtet werden.

Elektrisch betriebene Haushaltsgerate und mobile technische Einrichtungen ? also auch Laptops, Tablets, Smartphones und Handys ? werden von der Verordnung über elektromagnetische Felder nicht erfasst.

Neben dem Immissionsschutzrecht gibt es in Deutschland eine ganze Reihe weiterer Vorschriften, die Regelungen zur Begrenzung elektromagnetischer Felder enthalten, beispielsweise:

-         das Gesetz über die elektromagnetische Verträglichkeit von Betriebsmitteln,

-         das Medizinproduktegesetz,

-         das Telekommunikationsgesetz,

-         das Amateurfunkgesetz,

-         das Gesetz über Funkanlagen und Telekommunikationsendeinrichtungen, sowie

-         das Arbeitsschutzgesetz.


Mobiltelefone und Smartphones nutzen hochfrequente elektromagnetische Felder und werden körpernah verwendet. Sie bewirken teilweise eine thermische Wirkung (Erwärmung) im Gewebe und werden daher in Deutschland nur vertrieben, wenn der Anwender keiner übermäßigen Strahlung ausgesetzt wird. In einem Sicherheitsstandard hat die Europäische Union einen maximal zulässigen Wert der spezifischen Absorptionsrate (SAR) auf 2 Watt pro Kilogramm festgelegt. Das Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlicht seit 2002 die SAR-Werte für Handys und Smartphones, die auf dem deutschen Markt verkauft werden.

Bei ortsfesten Funkanlagen (z. B. Mobilfunksendern), die mehr als 10 Watt senden, muss der Betreiber einer Standortbescheinigung bei der Bundesnetzagentur beantragen. Das Bundesnetzamt zeigt die ermittelten Sicherheitsabstände individuell für jeden Standort an und sorgt so für die Einhaltung der in Deutschland geltenden Grenzwerte. Auch Betreiber fester Amateurfunkanlagen müssen sich bei einer Sendeleistung von mehr als 10 W bei der Bundesnetzagentur melden und die Einhaltung der Grenzwerte bescheinigen. An bestimmten Arbeitsplätzen in der Industrie, wie zum Beispiel beim Einsatz von Induktionsöfen, Hochfrequenz-Schweißgeräten oder großen Motoren, kann die Belastung durch elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder deutlich höher sein als im Alltag.

Da die beruflichen Belastungen in der Regel nur über einen begrenzten Zeitraum auftreten und kontrollierbar sind, liegen die zulässigen Grenzwerte hier um den Faktor vier bis fünf hoher als die allgemein geltenden Grenzwerte.


Ein bemerkenswertes Urteil zum Telefonieren und Elektrosmog am Arbeitsplatz gab es in Italien.

?Seit Jahren streiten Wissenschaftler, ob die Strahlung von Handys einen Hirntumor auslösen kann. Nun hat in Italien ein Erkrankter geklagt ? und vor Gericht den Verdacht offiziell als Fakt bestätigt bekommen

?Zum ersten Mal weltweit hat ein Gericht die unsachgemäße Verwendung eines Handys als Ursache für einen Gehirntumor anerkannt?, teilten die Anwälte Stefano Bertone und Renato Ambrosio zu dem Fall mit.

Der Kläger, Roberto Romeo, hatte nach eigenen Angaben 15 Jahre lang täglich drei bis vier Stunden mit seinem Handy telefoniert. Schließlich hatte er den Eindruck, sein rechtes Ohr sei verstopft. Im Jahr 2010 wurde ein gutartiger Tumor festgestellt. Bei der Operation sei der Hörnerv entfernt worden. Ein Fachmann veranschlagte die Minderung der Erwerbstätigkeit auf 23 Prozent.

Studien verneinten bisher einen Zusammenhang

Wegen des dauerhaften Hörschadens soll Romeo nun von der Versicherung monatlich 500 Euro bekommen. Verteufeln wolle er das Telefonieren mit einem Handy nicht, sagte er. Die Nutzer sollten sich aber über die Risiken mehr Gedanken machen.?

Zitat: Welt.de Veröffentlicht am 21.04.2017


Wie kann ich mich vor Elektrosmog schützen?

Beispielsweise kann der Einfluss elektromagnetischer Felder von Systemen und Geräten im persönlichen Bereich (z. B. Haushaltsgeräte, DECT-Telefone, Smartphones/Mobiltelefone, WLAN) lokal viel stärker sein als das von Mobilfunksendern in der Umgebung abgestrahlte Feld. Es ist also sinnvoll, zunächst im Büro und in den eigenen vier Wänden nach möglichen Quellen von Elektrosmog zu suchen. E-Smog kann durch das eigene Kaufverhalten und durch die Nutzung von Systemen und Geräten reduziert und vermieden werden.

·        Abstand halten: Die Stärke sowohl hoch- als auch niederfrequenter Felder nimmt mit der Entfernung ab. Daher sind Headsets beim Telefonieren hilfreich.

·        Belastung kurz halten: Laufende Telefonate und Datenverkehr im Hintergrund (bei Smartphones) erhöhen die Belastung. Alternativ können Sie den Datenverkehr im Hintergrund abschalten und z.B. E-Mails nur bei Bedarf überprüfen.

·        Im Internet surfen, E-Mails checken, nur bei gutem Empfang telefonieren. Die Geräteleistung ? und die Feldstärke ? wird bei schwachem Empfang vergrößert.

·        Geräte ausschalten: Wenn nicht benötigt, schalten Sie das Telefon komplett aus ? nicht im Standby-Modus halten.

·        Sorgen Sie im Schlafbereich immer für eine feldarme Umgebung: Wecker, Radiowecker, Tablet und Ihr Smartphone in ausreichender Entfernung positionieren.

·        Achten Sie beim Kauf oder Mieten eines Büros, eines  Hauses oder einer Wohnung auf Entfernungen zu Hochspannungsfreileitungen.

·        Halten Sie beim Planen und Bauen eines Gewerbeobjektes oder eines Hauses ausreichend Abstand zu Hochspannungsfreileitungen

·        Fachgerechtes Verlegen von Elektroinstallationen: Dann entstehen nur schwache Felder, Kurze Leitungswege, Aussparung von Ruhezonen sind optimal beim Neubau. Bei älteren Elektroinstallationen mit Stegleitungen können Netzfreischalter Abhilfe schaffen

·        Fragen Sie beim Kauf gezielt nach Low-E-Produkten mit entsprechender Kennzeichnung. Zur Ausstattung gehören VDE- und CE-Siegel für elektrische Geräte und MPR- oder TCO-Siegel für Displays.

·        Beim Kauf eines Smartphones oder Mobiltelefons sollten Sie auf niedrige SAR-Werte achten. Als Anhaltspunkt können Sie beispielsweise den SAR-Wert von 0,6 W/kg des Umweltzeichens ?Blauer Engel? für schadstoffarme Geräte verwenden.

·        Abschirmung von Hochfrequenzfeldern: Von Wandbeschichtungen bis hin zu Vorhängen mit Abschirmwirkung gibt es ein komplettes Set entsprechender Produkte. Allerdings ist der Mobilfunkempfang in gut abgeschirmten Räumen schlecht. Ein Smartphone oder Handy muss ein stärkeres Signal senden, was wiederum zu höheren Feldstärken im Raum führt.

·        Abschirmung von niederfrequenten elektrischen Feldern (z.B. Wände).

·        Abschirmung von niederfrequenten Magnetfeldern: Sie können die meisten Materialien ungehindert durchdringen und können nur mit speziellen Metallfolien (Mu-Metall) abgeschirmt werden. Aufgrund erheblicher Kosten sind solche Folien jedoch nur für spezielle Bereiche geeignet.


Neben den oben genannten Maßnahmen findet man im Internet eine Vielzahl von Angeboten. Dabei reicht die Angebotspalette von Aufklebern für das Smartphone bis zur Abschirmung für ein komplettes Gebäude. Bei vielen dieser Angebote ist eine Schutzwirkung messtechnisch nicht nachvollziehbar. Doch gleichzeitig gibt es zu einigen Angeboten authentische Referenzen von Menschen, welche sagen, dass eine positive Wirkung für Ihr Leben eingetreten ist. Dabei ist es völlig unklar, ob es sich dabei um Placeboeffekte oder bisher unbekannte Wirkungsmechanismen handelt. Doch am Ende zählt nur eins, dass es geholfen hat.

Wir werden das Thema demnächst noch mal in einem weiteren Podcast zusammen mit dem Elektrmog Experten Marvin Leisegang von der Beratungsfirma Aalance vertiefen.